Universität Witten/Herdecke

Wie wir gewesen sein wollen

Wer wir sind. Wofür wir stehen.

Ausgangspunkt 2016

Auf der Basis ihrer Grundwerte „Wahrheit, Freiheit und Soziale Verantwortung“ zählt die UW/H als erste Universität der Bundesrepublik in privater Trägerschaft heute zu den wichtigen Impulsgebern im Bildungswesen unseres Landes. Dem Auftrag, innovative Impulse in eine sich immer weiter ausdifferenzierende Wissens­gesellschaft zu setzen, fühlt sich die UW/H weiterhin verpflichtet. Diese Innovationskraft kommt in den Themen, Forschungsschwerpunkten  und skizzierten gesellschaftlichen Handlungsfeldern, die die Universität Witten/Herdecke in Ihren Fakultäten aufgreift, zum Ausdruck. Und so nimmt sie auch ihren Bildungsauftrag wahr.

Der Verantwortungsbegriff  bildet den Identitätskern und steht für das Grundmuster in der Architektur der Universität. Er findet sich in der Verfasstheit der akademischen Organe; in der Finanzierung der Universität, die zu knapp 90 Prozent auf eigener Ertragskraft beruht; in der Auswahl der Studierenden genauso wie im Curriculum der einzelnen Studiengänge. Die UW/H bildet nicht für das bloße Funktionieren in eng gefassten, professionellen Arbeitszusammenhängen aus. Sie fördert die Ausprägung von Persönlichkeiten, die sich in Eigenverantwortung um die Entfaltung ihres Begabungs­potenzials bemühen: Die UW/H fördert, fordert und erwartet von jeder/m Studierenden eine kommunikative, reflexive oder künstlerische Auseinandersetzung jenseits der Grenzen des eigenen Fachgebietes. Eine Grenzüberschreitung, die durch die Teilnahme aller Fakultäten am Studium fundamentale, das seit drei Jahrzehnten für ein universitäres Verständnis von Bildung statt Ausbildung steht, immer auch interdisziplinär geprägt ist.

Dabei erwerben die Studierenden ein Können, eine Handlungskompetenz, ein Problemlösungs­repertoire, das es ihnen ermöglicht, in ihren jeweiligen beruflichen Kontexten begründet Verantwortung zu übernehmen. Für diesen spezifischen Wittener „Bildungsweg“ schafft die Universität in all ihren Studiengängen die erforderlichen Rahmenbedingungen.

In ihrem Wissenschaftsverständnis fühlt sich die Universität nicht ausschließlich den in einzelnen Forschungsdisziplinen selbst geschaffenen Leistungs- und Qualitätsstandards verpflichtet, die in den jeweils führenden Publikationsorganen dokumentiert werden. Diese sind selbstverständlich wichtig und in den Forschungsprozessen wie auch in den universitären Professionalisierungswegen handlungsleitend. Die UW/H orientiert sich in ihrem transdisziplinären wissenschafts- wie bildungspolitischen Selbstverständnis auch an den Wirkungsbeiträgen zu wichtigen gesellschaftlichen Herausforderungen in Politik, Wirtschaft, Gesundheit und Kultur.

Die UW/H greift zentrale Themen, die mit den aufgezeigten Vektoren die Zukunft der Bildung prägen werden, mit ihrer Grundkonzeption und in ihren Studiengängen in Gesundheit, Wirtschaft und Kultur auf.

Hart erarbeitet und kostbar zu bewahren:

Wirtschaftliche Stabilität.

Neben einer vielversprechenden inhaltlichen Aufstellung besitzt die Universität eine solide wirtschaftliche Grundlage.

Betrachtet man den privaten Hochschulsektor in Deutschland, sieht man, dass dies nicht selbstverständlich ist. Gerade für eine Universität in nicht-staatlicher Trägerschaft, die neben exzellenter Lehre auch überzeugende Forschungsleistungen anstrebt und gleichzeitig kostenintensive Studiengänge wie Medizin und Zahnmedizin anbietet, ist es herausfordernd, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Diese komplexe Aufgabe ist auf sehr gutem Weg: Nach 2013 und 2014 verzeichnet die Universität auch in 2015 einen leichten Überschuss und plant für die kommenden Geschäftsjahre bis 2019 ausgeglichene Haushalte. Die Universität ist schuldenfrei und verfügt über eine wirtschaftliche Stabilität, die maßgeblich auf folgenden Eckpfeilern fußt:

1.  Langfristige finanzielle Absicherung der Universität

Seit 2009 ist die Universität Witten/Herdecke durch eine unbefristete Bürgschaft der neuen Hauptgesellschafterin Software AG - Stiftung (SAGST) in Höhe von 10 Millionen Euro abgesichert. Dieser Betrag wird bis zum Jahr 2020 angesichts der raschen Größenentwicklung der UW/H auf 20 Millionen Euro aufgestockt.

2.  Stärkung der eigenen Ertragskraft

Mit der Verdoppelung der Studierendenzahl bis 2016 auf rd. 2300 Studierende und mit einer maßvollen Erhöhung der Studienbeiträge liegt diese Etatposition bei ca. 10 Millionen Euro und rund 25 Prozent des universitären Haushalts. Ein weiterer Ausbau auf ca. 30 Prozent ist innerhalb der nächsten fünf Jahre vorgesehen. Mit dem Bereich Fort- und Weiterbildung wird eine weitere Ertragsquelle ausgebaut.

3.  Weiterentwicklung des Umgekehrten Generationen­vertrages (UGV)

Das bundesweit einmalige Solidarmodell des Umgekehrten Generationenvertrages ermöglicht die nachgelagerte Bezahlung des Studiums ohne jedes Risiko – und damit den Zugang der begabtesten jungen Menschen zur Universität Witten/Herdecke, unabhängig vom familiären bzw. finanziellen Hintergrund. Die Zwischenfinanzierung sowie die gesamte Administration für dieses Modell erfolgen durch die Studierenden selbst – auch dies ist einmalig. Im Jahr 2014 wurde dafür erfolgreich eine Anleihe an der Wertpapierbörse Düsseldorf emittiert.

4.  Absicherung des Universitätsetats durch zusätzliche, diversifizierte Einnahmequellen

Erträge aus Spenden und Stiftungen, aus Forschungsförderung, aus Drittmitteln, aus universitären Kooperationen ergänzen die genannten Einnahmequellen. Diese Diversifizierung auf der Einnahmenseite bedeutet eine Streuung des „Unternehmens-Risikos“ – mit der Konsequenz, dass Einnahmenrückgänge in Einzelpositionen des Haushaltes aus anderen Quellen gegebenenfalls kompensiert werden können. Auch in Zukunft bleibt eine Kernaufgabe, für die UW/H als Ganzes wie auch für einzelne Themenfelder Förderer und Wegbegleiter zu gewinnen, die die Universität bei ihren Entwicklungsaufgaben und ihren Wirkungsbeiträgen in Lehre, Forschung und Gesellschaft tatkräftig unterstützen.

In diesem Sinne ist die wirtschaftliche Stabilität Sicherheit und Auftrag zugleich.

Unser Beitrag.

Was wir bewirken wollen.

Die Universität Witten/Herdecke ist nicht nur aktiver Teil der Gesellschaft, sie versteht sich nicht nur als kritisch-wache, „feinsinnige“ Beobachterin, sondern auch als Motor von Veränderung, Reform und Transformation: Mit diesem Auftrag wirbt sie in Lehre und Forschung um talentierte Studierende und begeisternde ProfessorInnen, um tatkräftige MitarbeiterInnen und um engagierte Förderer.

In ihrer unternehmerischen Konstitution setzt die Universität ein Beispiel für gemeinnütziges Engagement und für das erfolgreiche Zusammenwirken zivilgesellschaftlicher Akteure mit staatlichen Instanzen: So werden seit drei Jahrzehnten hochwertige öffentliche „Bildungsgüter“ in Lehre und Forschung mit wirtschaftlich effizientem Ressourceneinsatz generiert. Die begrenzte staatliche Beteiligung ist in diesem Sinne auch eine Wertschätzung des universitären Wirkens für die res publica.

Angesichts weiterhin knapper öffentlicher Mittel, die bei stark gestiegenen Studierendenzahlen für Bildung und Wissenschaft zur Verfügung stehen, zeigt die UW/H mit dem „Umgekehrten Generationenvertrag“, dass akademische Bildung finanzierbar bleibt, ohne Studieninteressierte aus finanziell schwächeren Familien zu benachteiligen:

Hier leistet die Universität einen zukunftsweisenden Beitrag zur bildungspolitischen Inklusion in einer Gesellschaft, in der die Lebenschancen ganz eindeutig durch Bildungsabschlüsse verteilt und gesellschaftliche Ungleichheiten stetig größer werden.

Nur durch die Energie und den Einsatz aus der Zivilgesellschaft hat die Universität gegründet werden können. Und in größter Vielfalt wird dieser Einsatz zurückgegeben – in Form zahlloser studentischer Initiativen: zur Förderung benachteiligter Schulkinder, zum Ausbau der Ärzteausbildung in Albanien, zur Integration vieler hundert Flüchtlinge in der Stadt Witten, zur medizinischen und zahnmedizinischen Behandlung von Obdachlosen. Die Liste der hierfür verliehenen Preise und Auszeichnungen aus der Zivilgesellschaft ist lang – und wächst weiter.

Dabei besteht der Beitrag der UW/H darin, sowohl die bildungspolitischen als auch gesellschaftspolitischen  Themen aufzugreifen, Raum für deren kritische Diskussion zu schaffen und zu beherztem, engagiertem und wirksamem Handeln zu ermutigen.

Was bis 2020 kommt.

Neuland betreten.

Die Universität Witten/Herdecke will eine Universität sein und bleiben, die sich um das individuelle Entwicklungspotenzial jeder/s Einzelnen bemüht, die es fördert und fordert – in Freiheit und sozialer Verantwortung. Sie will eine unternehmerische Universität sein und bleiben, die ihren Mitgliedern etwas zutraut, die neue Wege geht und die gesellschaftlich vorrangige und brennende Themen couragiert anpackt. Eine Universität, die in zukünftigen Aufgaben als Bildungspionier ihre Lernfähigkeit immer wieder neu unter Beweis stellt. Eine Universität, die Raum gibt zur Entfaltung von Talent und zur Entwicklung von Persönlichkeit. Eine Universität, an der es nicht nur Freude macht zu studieren, sondern auch zu forschen und zu arbeiten.

Eine Universität, die in ihren heutigen Kernbereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur einen Ruf als Ort des lebendigen Ideenwettstreits, der wirkungsvollen Lernformen und des interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurses genießt. Und schließlich: eine Universität, die mit einer ausgeprägt unternehmerischen Grundhaltung ihren Beitrag zum Gemeinwohl und zu Lehre, Forschung und Praxis einer gesellschaftlichen Transformation zu maximieren sucht.

Vom Standpunkt 2016 aus betrachtet und mit Blick auf die universitäre Zukunft bis 2020: Was fehlt? Was sind die Herausforderungen? Was ist zu tun? Vier Kernaufgaben sind gesetzt, die sich in unterschiedlicher Ausprägung auch in den Fakultäten widerspiegeln.

Wachstum

Deutschlands Universitätslandschaft ist vielseitiger, heterogener, bunter – und größer geworden: Langfristige Tendenzen – wie die zunehmende Studierfreudigkeit – gekoppelt mit Sondereffekten des Wegfalles der Wehrpflicht und doppelter Abiturjahrgänge haben zu einem dramatischen Anstieg der Studierendenzahlen in ganz Deutschland geführt. Die Rekordzahl der Neuanfänger in 2015 wird – wenn überhaupt – nur langsam wieder abnehmen.

Auch Witten wächst rasch. Innerhalb von gut fünf Jahren hat die Universität die Zahl ihrer Studierenden verdoppelt. Mit allen Chancen und Risiken, die dies in sich trägt: große Innovationskraft und Dynamik mit neuen Studiengängen, Professorinnen, Professoren, Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Studierenden auf der einen Seite – großer Platzbedarf, beginnende Raumknappheit, kaum ausreichende kulturelle und inhaltliche Adaptation und Vernetzung auf der anderen Seite. Eine Kernaufgabe der nächsten fünf Jahre: in Phasen raschen Wachstums, in Zeiten immer kürzer werdender Studiendauer als Bildungsinstitution nicht atemlos zu werden, sondern Identität zu bewahren, sich weiterzuentwickeln und keine Scheu vor notwendiger Begrenzung zu haben.

Förderung nach Bildungsleistung

Neben einer hochwertigen Bildungsleistung in den Fakultäten für Wirtschaft und Kultur „produziert“ die Universität Witten/Herdecke auch jährlich etwa 200 hervorragend ausgebildete Ärzte, Zahnärzte, Psychologen und Pflegewissenschaftler für ein ausgesprochen „enges“ Arbeitsmarktsegment im deutschen Gesundheitswesen und v. a. in NRW.

Für den Haushalt der Universität bedeutete dies in den Jahren 1995 bis 2015 einen stabilen Finanzierungsbeitrag der Landesregierung in Höhe von 4,5 Millionen Euro p. a. oder 11 Prozent des aktuellen Universitätsetats. Angestrebt bis 2020 ist eine Weiterentwicklung dieses hochwertigen Qualifizierungsbeitrages für das nordrhein-westfälische Gesundheitswesen, der entsprechend seiner Bildungsleistung anerkannt und honoriert wird.

Profil

Motiviert durch eine freier gewordene Landesgesetzgebung in vielen Bundesländern, herausgefordert durch eine Vielzahl nicht-staatlicher Hochschulgründungen und individuell beflügelt durch die Exzellenzinitiative haben viele staatliche Universitäten an Autonomie und Profil hinzugewonnen. Ein in den 80er und 90er Jahren allenfalls moderater Wettbewerb um die besten Lehrenden, um die talentiertesten Studierenden und um essentielle Drittmittel ist deutlich intensiver geworden.

In diesem Wettbewerb nicht nur erfolgreich zu bestehen, sondern Motor und Innovator zu sein, setzt ein klares Selbstverständnis und ein öffentlich erkennbares, wirksames Profil der Universität voraus. Die Eckpunkte dieses Profils – Verantwortung, Reflexion, Praxisnähe, Interdisziplinarität in Gesundheit, Wirtschaft und Kultur – sind für die UW/H gesetzt. Eine weitere Differenzierung in den jeweiligen Studiengängen ist zu erarbeiten und besser sichtbar zu machen: das heißt Neues erproben und anderen zugängig zu machen.

Bildung digital

Dass die Digitalisierung weite Teile des globalen Wirtschaftslebens nicht nur beeinflusst, sondern vielfach geradezu umkrempelt – ist als Erkenntnis angekommen und akzeptiert in der Gesellschaft. Wie stark, wie rasch und wie prägend diese Auswirkungen auf Lernen und Lehren, auf Prüfen und Forschen sein werden – ist noch nicht ganz so offensichtlich. Unbestritten ist jedoch, dass die Möglichkeiten des digitalen Wissens- und Kompetenzerwerbs erst am Anfang stehen; dass in Zeiten von Smartphone, Tablet und Laptop nahezu jeder und jede ein Lerninstrument in der Hosentasche oder auf dem Schoß hat. Und dass es sehr heterogene, individualisierte Kombinationen von persönlichem Lernen in Gruppen, mit LehrerInnen, ProfessorInnen und PraktikerInnen auf der einen Seite und ausdifferenzierten Onlineangeboten auf der anderen Seite geben wird.

Die UW/H hat ihre ausgeprägten Stärken bisher im direkten Dialog, in der persönlichen Begegnung, in der unmittelbaren Reibung und Auseinandersetzung. Diese Stärken wird sie nur erhalten, weiterentwickeln und ausbauen können, wenn sie die neuen digitalen Lehr- und Lernpotenziale erkennt, begreift und in die universitäre Zukunft mitzunehmen versteht.

Es gilt, Neuland zu betreten. Einmal mehr.